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Zu wenig Fortschritt in der Energiewende

von Bernd Klane, 02/2018

Seit den 1990er Jahren arbeiten wir fachlich an Umweltschutzthemen in Entwicklungsabteilungen großer Firmen und seit 2000 konzentriert an der Umsetzung der Energiewende, seit 12 Jahren in der Umstellung der Wärmeversorgung auf Erneuerbare Energien, vorzugsweise durch Solarthermie und Holzheizungen. In Vorlesungen und Vorträgen kommen wir in vielfältigen, interdisziplinären Erfahrungsaustausch.
Uns scheinen die Maßnahmen der Energiewende in der bisherigen Form nicht dem Zukunftsziel einer nachhaltigen Energiewirtschaft zu genügen, selbst im vergleichsweise klimaaktiven Deutschland. Wir sehen darüber hinaus den Klimawandel schneller ablaufen, als man sich
momentan öffentlich zu diskutieren traut.

Wichtige Aspekte und Zahlen der Energiewende in Deutschland dargestellt:

Betrachtet man den Verbrauch an Primärenergie (rot) und den Anteil an erneuerbaren Energien (grün), so richten wir mit aktuell 85% konventioneller Energie noch zu viel Schaden an.
Dennoch haben sich durch die Bemühungen des EEG im Stromsektor (gelb) bisher ca. 500 Mrd.€ Zahlungverpflichtungen akkumuliert. In vergleichbarer Größenordnung dürften die Bemühungen der EnEV im Gebäudesektor zu Buche schlagen.
Die Entwicklung der CO2-Emissionen Deutschlands (grau) zeigt dabei wenig Reduzierung. Wir haben bisher vor allem das Wirtschaftsgeschehen gefördert, der ursprünglich angestrebte Umwelteffekt ist gering. (Den CO2 – Klimaeffekt mag man bezweifeln, die Emissionen stehen jedoch auf alle Fälle für einen intensiven Raubbau an der Natur, der in allen Umweltkompartimenten offensichtlich ist.)

. . . die Konsequenzen

Wenn wir die Informationen und die Diskussion in Politik und Wirtschaft betrachten, fehlt uns das Ringen um ein schlüssiges Konzept, bei dem die heutigen Gegebenheiten und ein weitsichtiges Zukunftsziel zusammengebracht werden. Alle 5 Jahre wird von einem Partikularinteresse zu einem anderen geschwenkt, obwohl doch die ganz erheblichen Unstimmigkeiten leicht einzusehen sind. Diese kommen jedoch nicht in die Diskussion. Wir wollen daher die Aufmerksamkeit auf den heute noch wenig populären Ansatz einer wirklichen Energiewende fokussieren:
„Eine wirkliche Energiewende wird uns dahin bringen, unseren Energiebedarf aus regenerativen Quellen zu decken. Da diese Quellen von geringer Energiedichte sind und die Nutzung im nachhaltigen Maß begrenzt ist, müssen wir lernen unseren Verbrauch an den möglichen Zufluss aus der Natur anzupassen.“
Die Realität begrenzter Ressourcen legt uns nahe, ein Bewusstsein für Grenzen des Konsums zu entwickeln und unseren Energieverbrauch drastisch zu ändern. Wer suggeriert, wir könnten das Konsumverhalten aus 150 Jahren fossil versorgter Industrialisierung beibehalten und
lediglich durch technische Maßnahmen erneuerbar gestalten, verschleiert die Realität und lässt Vernunft und Einsichtsfähigkeit des Menschen außen vor.
Aus unserem Alltag der Heizungserneuerung wissen wir: Wer die Möglichkeiten der erneuerbaren Energien anhand von Sonnenwärme oder Brennholz konkret vor Augen hat, ist von selbst zu einem zukunftsfähigen Energiekonsum bereit und senkt seinen Verbrauch in allen Lebensbereichen. Energieverbrauch muss fühlbar werden und die Begleiterscheinungen müssen erlebbar werden.
Bedroht etwa eine Bewusstseinsentwicklung zu wirklicher Vernunft die Interessen von Wirtschaft und Politik? Es handelt sich vor allem auch um einen Paradigmenwechsel.
Dies ist vor allem ein Prozess der Bewusstseinsbildung und der Wahrnehmung von den Naturreichen, den Möglichkeiten und Grenzen eines realistischen Haushaltens mit allen naturgegebenen Ressourcen (Wortbedeutung Ökologie). Ein persönliches Wahr-Nehmen der Natur der Erde und ihren vielseitigen Erscheinungen ist erforderlich.


Dezember 2018
Nachtrag Januar 2019: Aktuell wird von einem plötzlich verminderten Primärenergieverbrauch im Herbst 2018 berichtet. Dieser beruht jedoch stark auf Sondereffekten wie warmer Herbst, Konjunkturschwäche und hohem Benzinpreis und kann nicht als nachhaltige Trendwende gesehen werden.

https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2016/01/naturschutz-nachhaltigkeit-oekologie-protest-demonstrationen-protestkultur

Datenbasis dieses Positionspapiers:
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/dateien/2_abb_thg-emissionen_2017-03-17_0.pdf
https://www.bdew.de/media/documents/Awh_20170710_Erneuerbare-Energien-EEG_2017.pdf
https://www.ag-energiebilanzen.de

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